Du bist jung und fit? Wunderbar, genieße es. Mit deinem Körper geht was – immer. Was aber, wenn der Körper alt ist? Was, wenn Krankheiten, wenn Schmerzen die Realität sind? Was, wenn der Tod wirklich in Reichweite ist? Jeder Mensch hat da seine ganz eigene Wahrnehmung – viele Menschen resignieren dann, geben innerlich auf und verlieren die Freude am Leben. Aus meiner Erfahrung gibt es in scheinbar ausweglosen Situationen immer Möglichkeiten, die das Leben etwas besser machen. Hier spreche ich aus meinem Erleben und erhebe keinen Anspruch auf die allgemeingültige Wahrheit. Wer mag, kann sich gerne eingeladen fühlen das Gesagte weiterzudenken. Mein persönliches Vorbild in Sachen „Mut & da geht noch was“ ist meine Mama. Der Tod stand bereits vor der Tür, jede Bewegung hätte Knochenbrüche auslösen können. Sie wollte sich dennoch bewegen, wollte trainieren und bat mich um Begleitung. Laufen am Rollator war die Ansage.

Aktuell geben mir diese unauslöschbaren Gedankenbilder unbändige Kraft. Ja, ich habe Schmerzen. Starke Schmerzen und mein Rücken ist das was man kaputt nennen kann. Sich fast nicht mehr bewegen können – heulen ist da sicher okay. Aber dann kommen das Annehmen und der Fokus auf das kleine Wörtchen fast. Fast heißt nicht 100%. Denn 100% gibt es gar nicht im Leben.

Als Sportler aus Leidenschaft habe ich gerade mal wieder die Verabredung mit mir selbst abgeschlossen, vom Boden aufzustehen. Gefühlt zum X-ten Mal. Dummerweise missachtete ich als Rücken-Schmerz-Patient einige selbstauferlegte Verhaltensregeln: Kopfarbeit, weg vom Sitzen, mehr in die Bewegung zu verlegen. Beim Blick in den Spiegel kann ich mich nur selbst auslachen. Ein toller Trainer bist du. Wie der Schuster, der selbst die miesesten Schuhe trägt.

Die Konsequenz: Selbst im Bett liegen bereitet mir Schmerzen. Erste Therapieversuche stimmen mich immer positiver. Treppen aufwärtssteigen und spezielle Bewegungsmuster auf dem Fahrrad reduzieren die Schmerzen. Alles geht nur in geringem Umfang und extrem langsam. Das wesentliche ist allerdings: ES GEHT WAS! Und das ist ein so schönes Gefühl. Scheiss‘ drauf, dass du ein toller Schwimmer warst, dass du über 100 Marathonwettbewerbe gefinisht hast und mal megafit warst. Heute zählt. Und heute kannst du kannst du dich immer noch bewegen. Nicht so gut, und doch immer besser und besser – in jeder Hinsicht.

Es geht wieder rund … . Danke Mama.